Mamma
Die Mamma ist mit 10 Seiten in der Klassifikation als umfangreichstes Organ repräsentiert. Das Kapitel wurde insbesondere bezüglich der Klassifikation des Nodalstatus stark überarbeitet. Im Folgenden wird die
Klassifikation vollständig dargestellt.
Die Klassifikation gilt für die weibliche und männliche Brustdrüse.
Die histologische Diagnosesicherung ist erforderlich.
Der anatomische Unterbezirk soll angegeben werden. Die Unterbezirke sind:
Mamille
Zentraler Drüsenkörper
Oberer innerer Quadrant
Unterer innerer Quadrant
Oberer äußerer Quadrant
Unterer äußerer Quadrant
Axillärer Ausläufer
Primärtumor
Grading invasiver Karzinome nach Elston and Ellis (1991).
TX: Primärtumor kann nicht beurteilt werden.
T0: Kein Anhalt für einen Primärtumor
Tis: Carcinoma in situ
Tis (DCIS): Duktales Carcinoma in situ
Tis (LCIS): Lobuläres Carcinoma in situ
Tis (Paget): Morbus Paget der Mamille ohne nachweisbaren Tumor (Anm. 1)
T1: Tumor maximal 2 cm im Maximaldurchmesser
T2: >2 bis 5 cm
T3: >5 cm
T4: Infiltration der Brustwand/Haut
T4a: Brustwand (Anm. 3)
T4b: Hautödem, Ulzeration und/oder Satellitenknoten in der Haut (Anm 4)
T4c: 4a und 4b
T4d: Entzündliches Karzinom (Anm. 4 und 5)
Regionäre LK-Metastasen
Die Definition regionärer Lymphknoten wurde erweitert, die Klassifikation entsprechend angepasst. Regionäre Lymphknoten sind:
1. Axilläre (ipsilateraler) Lymphknoten: interpektorale Lymphknoten und Lymphknoten entlang der Vena axillaris und ihrer Äste.
(i) Level 1 (untere Axilla): Lymphknoten lateral des lateralen Randes des Musculus pectoralis minor.
(ii) Level II (mittlere Axilla): Lymphknoten zwischen dem medialen und lateralen Randes des Musculus pectoralis minor und interpektorale Lymphknoten.
(iii) Level III (apikale Axilla): apikale Lymphknoten und Lymphknoten medial des medialen Randes des Musculus pectoralis minor ausschließlich der als subklavikulär oder
infraklavikulär bezeichneten Lymphknoten.
Intramammäre Lymphknoten werden als axilläre Lymphknoten klassifiziert.
2. Ipsilateraler infraklavikuläre Lymphknoten
3. Ipsilaterale Lymphknoten an der Arteria mammaria interna: Lymphknoten, die entlang dem Rand des Brustbeins in der endothorakalen Faszie der ipsilateralen Interkostalräume lokalisiert
sind.
4. Supraklavikuläre ipsilaterale Lymphknoten.
Jede andere Lymphknotenmetastase wird als Fernmetastase klassifiziert.
Klinische Klassifikation des Nodalstatus:
NX: LK können nicht beurteilt werden
N0: Keine regionären LK-Metastasen
N1: Metastasen in beweglichen ipsilateralen LK
N2: wird wie folgt unterteilt:
N2a: Metastasen in ipsilateralen axillären LK, untereinander oder an andere Strukturen fixiert
N2b: Metastase(n) in klinisch erkennbaren ipsilateralen LK entlang der A. mammaria interna ohne klinisch erkennbare axilläre LK-Metastasen
N3: wird wie folgt unterteilt:
N3a: Metastase(n) in ipsilateralen infraklavikulären LK
N3b: Metastase(n) in ipsilateralen Lk entlang der A. mammaria interna mit axillären LK-Metastasen
N3c: Metastasen in ipsilateralen supraklavikulären LK
Die pathologische Klassifikation des Nodalstatus weicht von der 5. Auflage deutlich ab und ist nicht mit der klinischen Klassifikation kongruent.
Die Klassifikation erfordert zumindest die Resektion
der axillären Level I-LK. Es sollen üblicherweise mindestens 6 LK untersucht werden. Wenn weniger als 6 LK untersucht wurden und diese tumorfrei sind, soll nach pN0 klassifiziert werden. Eine Klassifikation basierend auf der Untersuchung
des oder der sentinel-LK wird durch den Zusatz (sn) markiert. Isolierte Tumorzellen oder Cluster unter 0,2 mm Durchmesser werden unabhängig vom Nachweisverfahren (konventionelle Histologie, Immunhistologie oder Molekularpathologie) werden
als pN0 klassifiziert.
pNX: LK können nicht beurteilt werden
pN0: Keine regionären LK-Metastasen
pN1: wird wie folgt stratifiziert:
pN1mi: nur Mikrometastasen (Singular im Text, Plural in der Kurzfassung, Anm. 8) zwischen 0,2 und 2 mm
pN1a: Metastasen in 1-3 ipsilateralen axillären LK, zumindest eine Metastase mehr als 0,2 cm
pN1b: Lymphknoten entlang der A. mammaria interna mit mikroskopischer/en Metastase/n (durch Untersuchung des Sentinel-LK nachwiesen), klinisch nicht nachgewiesen.
pN1c: Metastasen in 1-3 ipsilateralen axillären LK und mikroskopische Metastase in LK entlang der A. mammaria interna (durch Untersuchung des Sentinel-LK nachwiesen), klinisch nicht
nachgewiesen.
pN2: wird wie folgt unterteilt:
pN2a: Metastasen in 4 - 9 ipsilateralen axillären LK, zumindest eine Metastase mehr als 0,2 cm im Durchmesser.
pN2b: Metastase(n) in (ipsilateralen) LK entlang der A. mammaria interna ohne axilläre LK-Metastasen
pN3: wird wie folgt unterteilt:
pN3a: Metastase(n) in mehr als 9 ipsilateralen LK (mindestens eine größer als 0,2 cm) oder in ipsilateralen infraklavikulären LK
pN3b: klinisch erkennbare Metastase(n) in ipsilateralen LK entlang der A. mammaria interna mit axillären LK-Metastasen oder
Lymphknotenmetastase(n) in mehr als 3 axillären
LK und in LK entlang der A. mammaria interna (durch Untersuchung des Sentinel-LK nachwiesen), klinisch nicht nachgewiesen.
pN3c: Metastasen in ipsilateralen supraklavikulären LK
Fernmetastasen
Anm. 1: Bei nachweisbarem Tumor richtet sich die Klassifikation nach der Größe des Tumors.
Anm. 2: Bei multiplen Invasionsherden sollte dies vermerkt werden. Der größste Herd
ist für die Festlegung des T-Stadiums relevant, keine Addition der Tumordurchmesser.
Anm. 3: Brustwand im Sinne der Klassifikation meint Rippen, Interkostalmuskulatur und der Musc. serratus anterior, nicht aber die Pektoralismuskulatur.
Anm. 4: Einziehungen der Haut oder der Mamille rechtfertigen für sich genommen keine Klassifikation als T4. Ein Hautödem (peau d’orange) sollte klinischerseits angegeben werden.
Anm 5: Das inflammatorische Karzinom ist
gekennzeichnet durch diffuse braune Induration der Haut mit erysipelartigen Rand gewöhnlich ohne palpable Tumormasse. Bei fehlendem histologischen Nachweis eines Tumor wird der Tumor klinisch als T4d, histologisch als pTX klassifiziert.
Anm 6: “Klinisch erkennbar” meint Metastasen, die durch die klinische Untersuchung oder durch bildgebende Verfahren (ausgeschlossen die Lymphszintigraphie) diagnostiziert werden.
Anm 7: Hier meint “klinisch
erkennbar” Metastasen wie unter Anm. 6 beschrieben und solche, die der Pathologe makroskopisch erkennt.
© 2001-2009
Dr. A. Turzynski
Gemeinschaftspraxis
Pathologie
Lübeck